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Veranstaltung der Agentur Barrierefrei NRW

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Logo: aus der Praxis

… mit Mehmet Yolcu.

Mit viel Leidenschaft und ganz ohne Schlaumeier-Mentalität: Mehmet Yolcu ist Gesamtschwerbehindertenvertreter bei der AOK Rheinland/Hamburg und setzt sich seit 2019 für ein wertschätzendes, barrierefreies Arbeitsklima für alle Mitarbeitenden bei seinem Arbeitgeber ein.

„Mir ist es wichtig, im Gespräch bei meinem Gegenüber einen Perspektivwechsel zu erreichen. Ich möchte Köpfe bewegen, um so zu neuen, besseren Lösungen für alle zu kommen, sodass auch Mitarbeitende trotz Einschränkungen vernünftig arbeiten können und wertgeschätzt werden.“

 

Logo: aus der Praxis

… mit Sven Kohz. Er ist Architekt und seit 2022 Vorsitzender des Teilhabebeirats in Altenberge, der erst 2020 gegründet wurde. Diese Gemeinde liegt etwa 15 km nordwestlich von Münster und beheimatet rund 10.500 Menschen.

Aufgrund einer rechtsseitigen motorischen Störung von Arm und Bein kann der Wahl-Altenberger seinen Beruf als Architekt nicht mehr ausüben. Sein umfangreiches Know-how als Planer und seine große Leidenschaft für die Projektarbeit kommen nun seinem ehrenamtlichen Engagement als Teilhabebeirats-Vorsitzender zugute:

 

1 Mädchen und 1 Frau sitzen lachend vor einem Laptop

Frau Weyandt, Sie sind Architektin und seit gut sechs Jahren bei der Agentur beschäftigt. Dabei vertreten Sie neben dem Bereich Bauen auch das Aufgabenfeld Leichte Sprache. Wie meistern Sie den Spagat zwischen barrierefreiem Bauen und Leichter Sprache?

Lydia Weyandt: Es ist gar kein Spagat – auch wenn es sich erstmal so anhört. Denn obwohl beide Aufgabenbereiche recht unterschiedliche Arten von Barrieren aufweisen, haben sie doch ein gemeinsames Ziel: Barrieren im Alltag der Menschen abzubauen und allen Menschen die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Die Barrieren in den Bereichen sehen nur anders aus:

Rollstuhlfahrer steht fragend vor dem Teppenaufgang eines Gebäudes.

Herr Philippi, seit 18 Jahren beraten und schulen Sie als Architekt und Diplom-Ingenieur zum Thema Barrierefreiheit in Gebäuden. Bei einem so langen Zeitraum dürfte man annehmen, dass alle Bau-Verantwortlichen für öffentlich zugängliche Gebäude umfassend informiert sein müssten. Warum bedarf es weiterhin so viel Beratung?

Martin Philippi: Das Thema Barrierefreiheit hat sich in der Tat von einem Randthema zu einem Begriff entwickelt, von dem die meisten Menschen nun eine konkrete Vorstellung haben. Trotzdem mangelt es heute noch am nötigen Bewusstsein. Viele Verantwortliche nehmen Barrierefreiheit als zusätzliche Anforderung wahr, die einen Mehraufwand mit sich bringt. Wir müssen dahin kommen, dass Barrierefreiheit zu einer Selbstverständlichkeit beim Bauen wird.

Barrierefreies Bad mit Hilfsmitteln wie beidseitigen Haltegriffen am WC, eine befahrbaren Dusche mit klappbaren Sitzhocker, unterfahrbarem Waschtisch

Herr Hubert, Sie sind Ergotherapeut & Kooperationsmanager und arbeiten seit 25 Jahren für das Kompetenzzentrum Barrierefreiheit Volmarstein, zu dem auch die Agentur Barrierefrei NRW zählt. Was hat Sie damals nach Volmarstein geführt?

Michael Hubert: Ich habe vorher in einer Rehabilitationsklinik gearbeitet und bekam am heutigen KBV, Kompetenzzentrum Barrierefreiheit Volmarstein, die Möglichkeit, ein Rehabilitationsprojekt mit Menschen zu gestalten, die das selbstständige Wohnen trainieren wollten. Des Weiteren habe ich Menschen zur Hilfsmittelversorgung beraten und die Ausstellung „Technische Hilfen“ gemeinsam mit anderen Kollegen aufgebaut. Das waren allesamt sehr spannende Aufgaben für mich.

Logo NRW informierbar

Frau Frank, Sie betreuen und – viel wichtiger – „füttern“ die informierbar.de. Welche Informationen hält die NRW informierBar bereit und für wen ist sie gemacht?

Daria Frank: Die NRW informierBar listet Informationen zur Barrierefreiheit von Gebäuden in NRW auf, die öffentlich zugänglich sind. Ziel ist es, dass Bürgerinnen und Bürger mit unterschiedlichen Einschränkungen ihren Besuch bei Ämtern oder Veranstaltungsorten besser planen können. So können sie sich im Vorfeld über die Zugänglichkeit von Einrichtungen und deren Ausstattung informieren und gegebenenfalls Unterstützung holen. Konkret bedeutet das, dass ich mich als Besucherin oder Besucher vor Ort besser zurechtfinden und selbstständiger agieren kann.

Oberkörper einer Person, die ein Smartphone hält. Aus dem Gerät fliegen Icons für E-Mail schreiben, Social Media, der Like-Daumen und ein Herz.

Herr Wallbruch, Sie sind Diplom-Psychologe und verantworten den Bereich IT & Dokumente bei der Agentur. Wie viel Psychologe steckt in der digitalen Barrierefreiheit?

Herr Wallbruch: Sehr viel. Barrierefreiheit legt den Grundstein, damit Produkte überhaupt bedienbar sind. Sie bildet so die Grundlage für die einfache, effiziente und effektive Nutzung. Die Untersuchung derartiger Nutzungsverhalten, auch Gebrauchstauglichkeit oder Usability (auch UX = User Experience) genannt, ist ein klassisches Aufgabengebiet für Psychologen. Gerade wenn es um Interaktionen, Eindrücke und Erlebnisse im IT-Bereich, bei Webseiten und Software geht, spielt das Nutzungserlebnis eine große Rolle.

Rollstuhlfahrer nutzt die Rampe zum Buseinstieg

Virginia Grossek setzt sich mit Leidenschaft für die barrierefreie Benutzung des ÖPNV ein und verantwortet seit über sechs Jahren den Bereich Mobilität & Verkehr bei der Agentur Barrierefrei NRW.

Bei welchem Meilenstein befinden wir uns derzeit auf dem Weg in eine barrierefreie Mobilität?

Virginia Grossek: Ich denke, dass beispielsweise der Einsatz von sogenannten Niederflurbussen, also von Bussen, die barrierefrei zugänglich sind, schon recht hoch ist und auf ganz NRW bezogen bei 96 Prozent liegt. Das ist schon gut. Allerdings ist beispielsweise das Zusammenspiel zwischen barrierefreiem Bus und barrierefreier Haltestelle noch ausbaufähig und auch die Informationen dazu sind nicht überall verfügbar.

Sprechblase: Leichte Sprache

Annika Nietzio ist Diplom-Mathematikerin und seit fast 10 Jahren verantwortlich für den Bereich Leichte Sprache bei der Agentur Barrierefrei NRW.

 

Was haben Mathematik und Leichte Sprache gemeinsam?

 

Annika Nietzio: Kurz gesagt: Die Klarheit. In der Mathematik geht es darum, Sachverhalte klar und eindeutig zu beschreiben. Genau das tut die Leichte Sprache auch. Füllwörter oder andere Dinge, die etwas unnötig kompliziert machen, kommen nicht vor. Stattdessen geht es um klare Strukturen und nachvollziehbare Gedankengänge.