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Overlay-Tools: keine Barrierefreiheit per Knopfdruck

Einige Firmen versprechen „automatische Barrierefreiheit“ wenn nur ihr Overlay-Tool zusätzlich bei einem Webauftritt als Toolbar, Plugin, App, oder Widget installiert wird. Die Overlay-Tools stellen dann unterschiedliche Funktionen für die Webseite bereit, welche angeblich „zwingend für Barrierefreiheit“ benötigt würden.

Leider ist dies nicht so.
Weder wird Barrierefreiheit automatisch hergestellt, noch werden die zusätzlichen Funktionen wirklich benötigt.

Ausführliche Hinweise

Eine Vorlesefunktion mag für manche Webseiten sinnvoll sein, eine solche auf der Webseite selbst angebotene Funktion wird aber ein lokal installiertes Vorleseprogramm nicht ersetzen, mit welchem nicht nur diese eine Webseite, sondern potentiell alle Webseiten und sogar weitere Dokumente anderer Programme vorgelesen werden können.
Eine sogenannte Styleswitcher-Funktion, mit welcher auf einer Webseite andere Einstellungen für Vorder- und Hintergrundfarben eingestellt werden können, zum Beispiel gut kontrastierende schwarz-weiß- oder auch blau-gelb-Darstellungen wird ebenfalls häufig angeboten. Personen, die auf solche guten Farbkontrastgebungen angewiesen sind, werden diese aber mit und in den Barrierefreiheitsfunktionen ihres jeweiligen Betriebssystems eingestellt haben. Widerum gilt: dies ist dann nicht nur für diese eine Webseite, sondern für alle eingestellt.
Einige Overlay-Tools bieten auch das Vergrößern der angezeigten Schrift in verschiedenen Abstufungen an. Bei gängigen Webbrowsern wie Chrome, Edge, Firefox oder Opera und anderen haben die Tastenkombinationen STRG + bzw. cmd + allerdings denselben Effekt. Widerum: bei jeder Webseite. Und ganz ohne dass vorher ein komplexes zusätzlich angebotenes Menü der Overlay-Funktionen durchlaufen werden muss.

Damit sind zumindest die oben genannten zwingend benötigten Funktionen eher überflüssig.

Es werden von den Overlay-Tools aber auch nur einige andere Darstellungsoptionen umgesetzt.
Das funktioniert allerdings auch nur dann wirklich gut, wenn der Webauftritt hinsichtlich der Anforderungen zu unterschiedlichen Darstellungsmodi relativ barrierefrei ist. Entspricht der Webauftritt nicht den Anforderungen der EN 301 549, bleiben leider trotz von Overlay-Tools angebotenen Funktionen Barrieren bestehen.

Weiteres Hintergrundwissen zu Overlay-Tools stellt auch die Toolbox des Projektes Teilhabe 4.0 bereit und vergleicht auch Overlay-Tools mit integrierten Browserhilfen.

Fazit — mit anderen Worten leicht überspitzt:
Entweder der Webauftritt ist bereits so gut, dass er kein Overlay-Tool benötigt,
oder er ist so schlecht, dass auch kein Overlay-Tool mehr hilft.

Die Überwachungsstellen des Bundes und der Länder für die Barrierefreiheit von Informationstechnik kommen zu einer ähnlichen Einschätzung zur Verwendung von Overlay-Tools.

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Weiterführende Links

Ansprechpartner IT & Dokumente

Rainer Wallbruch
Telefon: 02335 9681 23
E-Mail: