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Leichte Sprache

Einfache und Leichte Sprache

Verschiedene Vorgehensweisen um Informationen verständlich zu machen

Leichte Sprache, einfache Sprache, leicht verständliche Sprache… es gibt eine Vielzahl von Begriffen, die auftauchen, wenn es um verständliche Informationen geht. Dieser Beitrag erläutert, was sich hinter den einzelnen Konzepten verbirgt.

Verständlichkeit von Informationen ist ein wichtiger Aspekt der Barrierefreiheit und wird in den entsprechenden Gesetzen gefordert, z.B. im Behindertengleichstellungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen (BGG NRW). Das BGG NRW verwendet dafür den Begriff „leicht verständliche Sprache“. Im Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz wird der Begriff „einfache und verständliche Sprache“ benutzt. Gemeint ist damit eine möglichst einfache Ausdrucksweise, die auf lange Sätze und Fremdwörter verzichtet und so vielen Menschen das Lesen erleichtert. Der Schwerpunkt liegt auf einer sprachlichen Vereinfachung.

Die Leichte Sprache geht noch einen Schritt weiter. Neben umfangreichen sprachlichen Vereinfachungen berücksichtigt sie auch das Hintergrundwissen der Zielgruppe und nimmt entsprechende inhaltliche Vereinfachungen im Text vor. Außerdem gibt es bei Leichter Sprache Regeln für die Gestaltung der Informationen, die eine besonders gute Lesbarkeit sicherstellen sollen.

Ausführliche Hinweise

Leichte Sprache ist leichter als einfache Sprache

Aber wie lässt sich das feststellen? Die Schwierigkeit oder Komplexität eines Texts ist nicht ohne weiteres in einem Messwert zusammenzufassen, da viele Aspekte eine Rolle spielen. Für unterschiedliche Leserinnen und Leser liegen die Schwierigkeiten oftmals in unterschiedlichen Bereichen. Folgenden Aspekte spielen dabei unter anderem eine Rolle: der Wortschatz, die Vertrautheit mit dem Thema, der Satzbau, die Textlänge, die Gliederung und der Aufbau des Textes. Für Leserinnen und Leser, die Leichte Sprache benötigen, sollten Sie die Schwierigkeiten in allen Bereichen so gering wie möglich halten. Das erreichen Sie, indem Sie alle Regeln der Leichten Sprache konsequent anwenden. Beim Erstellen eines Texts in einfacher Sprache können in einzelnen Bereichen komplexere Strukturen eingesetzt werden, z.B. etwas längere Satzkonstruktionen mit einfachen Nebensätzen oder mehr Fachbegriffe aus dem Themenbereich oder ein etwas längerer Text mit weniger Untergliederungen. Achten Sie immer darauf, dass nicht zu viele potentielle Schwierigkeiten im Text enthalten sind.

Angemessenheit

Die Auswahl des Sprachniveaus für einen Text berücksichtigt einerseits die gesetzlichen Verpflichtungen, z.B. die Forderung der BITV NRW, dass auf einer Website Informationen in Leichter Sprache angeboten werden müssen, sowie andererseits auch gesellschaftliche bzw. politische Erwartungen. Wenn beispielsweise eine wichtige Broschüre zum Thema Inklusion in barrierefreier Form einschließlich Leichter Sprache veröffentlicht wird.

Darüber hinaus kann die Angemessenheit eine gute Entscheidungshilfe bei der Wahl des Sprachniveaus sein. Angemessenheit bedeutet in diesem Fall: Die Komplexität ist dem Thema angemessen. Der Text in angemessen für die erwartete Zielgruppe und Lesesituation. Beziehen Sie Menschen aus der Zielgruppe mit ein, um deren Erwartungen herauszufinden.

Gestaltung

Die Lesbarkeit eines Texts wird auch durch Layout, Schrift und Gestaltung beeinflusst. Für Materialien in Leichter Sprache gelten besondere Gestaltungsregeln. Dadurch sind die Texte auf den ersten Blick leicht zu erkennen: Große, gut lesbare Schrift. Klare visuelle Gliederung des Texts und viele Abstände. Verwendung von Farben und Illustrationen, um die Verständlichkeit zu verbessern. Für Leichte Sprache sind diese Dinge besonders wichtig, um den Lesevorgang – also das Lesen der einzelnen Buchstaben und Wörter – soweit wie möglich zu erleichtern.

Auch bei einfacher Sprache spielt die Gestaltung eine Rolle. Es gibt jedoch keine vergleichbaren, durchgängig angewendeten Gestaltungsregeln.

Leichte Sprache: Abläufe vereinfachen

Während einfache bzw. leicht verständliche Sprache vor allem sprachliche Vereinfachungen einsetzt, bedeutet die Übersetzung in Leichte Sprache häufig auch eine inhaltliche Vereinfachung. Dies lässt sich am folgenden Beispiel nachvollziehen.

Eine typische Brandschutzordnung ist sprachlich bereits sehr einfach gestaltet. Unter dem Punkt „Brand melden“ steht darin:

  • Notruf absetzen: 112
  • Wer meldet?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele sind betroffen/verletzt?
  • Wo ist etwas passiert?
  • Warten auf Rückfragen!

Jede einzelne Frage ist einfach verständlich. Der gesamte Ablauf und die Anzahl der Fragen kann jedoch eine Barriere darstellen.

In der Brandschutz-Ordnung in Leichter Sprache wird daher der Ablauf stark vereinfacht:

Ich rufe die Feuerwehr an.
Telefon-Nummer: 112
Ich lege erst auf, wenn die Feuerwehr das sagt!

Statt der vier W-Fragen wird hier nur noch das Warten auf Rückfragen genannt. Der Text wird dadurch kürzer. Die Verantwortung für die vollständige Übermittlung der Informationen zum Notfall liegt nicht mehr beim Anrufenden sondern bei der Feuerwehrzentrale. Überprüfen Sie bei der Übertragung in Leichte Sprache, ob eine Vereinfachung der Abläufe möglich ist. Dann können mehr Menschen die Informationen verstehen.

Sprachniveaus im Europäischen Referenzrahmen

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen enthält 6 verschiedene Sprachniveaus, mit denen die Sprachkenntnisse einer Person beschrieben werden.

Leichte Sprache gehört zum Bereich A „Elementare Sprachanwendung“. Ein typischer Text in Leichter Sprache lässt sich auf Niveau A2 einordnen:

„[Eine Person auf dem Sprachniveau A2] kann Sätze und häufig gebrauchte Ausdrücke verstehen, die mit Bereichen von ganz unmittelbarer Bedeutung zusammenhängen. Kann sich in einfachen, routinemäßigen Situationen verständigen. Kann mit einfachen Mitteln die eigene Herkunft und Ausbildung, die direkte Umgebung und unmittelbare Bedürfnisse beschreiben.“

Einfache bzw. leicht verständliche Sprache gehört zum Bereich B „Selbstständige Sprachanwendung“. Ein Text in einfacher Sprache lässt sich auf Niveau B1 einordnen:

„[Eine Person auf dem Sprachniveau B1] kann die Hauptpunkte verstehen, wenn klare Standardsprache verwendet wird. Kann sich einfach und zusammenhängend über vertraute Themen und persönliche Interessengebiete äußern. Kann über Ereignisse berichten, Träume, Hoffnungen und Ziele beschreiben und zu Plänen und Ansichten kurze Begründungen oder Erklärungen geben.“

Weiterführende Links

Ansprechpartner Leichte Sprache

Annika Nietzio
Telefon: 02335 9681 88
E-Mail: